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Produktkostenkalkulation in SAP

Der Begriff „Produktkostenkalkulation“ oder Produktkostenrechnung ist ein betriebswirtschaftliches Verfahren zur Ermittlung und Zusammenfassung von Produktkosteninformationen (Kostenträger). In dieser werden die Kosten einzelner Positionen von hergestellten und verkauften Produkten erfasst. Oft wird daher auch das Synonym Kostenträgerstückrechnung verwendet. Die Berechnung ist für die Bewertung neuer Produkte unerlässlich. Falls bereits Marktpreise vorliegen, kann mithilfe der Kalkulation überprüft werden, inwiefern ein Produkt überhaupt kostendeckend bzw. gewinnbringend verkauft werden kann.

Warum ist es notwendig die Produktkosten zu kalkulieren?

Insbesondere junge Unternehmen vernachlässigen wichtige Faktoren bei der Kalkulation von Produkten, was sich langfristig existenzbedrohend auswirken kann. So muss es aufgrund der Preisgestaltung insgesamt möglich sein, nicht nur die Einzelkosten eines Produkts, sondern auch die Gemeinkosten des Unternehmens zu decken und einen entsprechend angemessenen Gewinn zu realisieren. Geplant werden können sowohl Produkte als auch Dienstleistungen. Bei der Preiskalkulation sind daher einige Faktoren zu beachten.

Bei der Preisfindung muss daher vor allem auf drei Funktionen geachtet werden:

  • Die Deckung der Kosten
  • Die Wettbewerbsfähigkeit
  • Eine ausreichende Gewinnspanne

Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden, stehen vor allem drei Faktoren im Vordergrund:

  • Die Preisbereitschaft
  • Die Produktkosten
  • Die Gewinnspanne

 

  1. Zuerst muss die Preisbereitschaft der Zielgruppe ermittelt werden. Das heißt, es müssen die Preise eines Produktes gefunden werden, die der Kunde auch bereit ist zu zahlen. Dies geschieht in der Regel mit Hilfe professioneller Dienstleister oder Marktforschungsmethoden. Einfache Umfragen an freiwillige Kunden sind eine gute Möglichkeit an die gewünschten Daten zu kommen, auch bei einem kleineren Budget.
  2. Der nächste wichtige Schritt ist, die korrekte Ermittlung der Produktkosten. Generell wird hier zwischen zwei unterschiedlichen Kostenarten differenziert. Diese sind die Einzelkosten, die dem Produkt direkt zugeordnet werden können und die Gemeinkosten, die anteilig auf die Produkte umgelegt werden müssen, da diese nicht direkt einem Produkt zugeordnet werden können, wie z.B. Fixkosten.
  3. Der letzte Schritt ist die Ermittlung der Gewinnspanne. Hierbei gilt es, sich an den Produktionskosten, plus den branchenüblichen Aufschlag zu orientieren.

Die Problematik der Produktkalkulation

Im Rahmen der Produktkalkulation werden immer wieder eine Reihe typischer Fehler begangen. So wird nicht selten die Nachfrage überschätzt. Geringere Stückzahlen führen jedoch dazu, dass sich die Gemeinkosten auf weniger Einheiten verteilen. Hierdurch rutscht das Produkt ab einem bestimmten Punkt in die Verlustzone. Abhilfe schafft hier eine möglichst realistische und konservative Schätzung der Absatzmengen.

Ein weiterer Controlling-Fehler ist die Nichtberücksichtigung von Marktrisiken bei der Umsatzberechnung. Zu diesen Risiken zählen beispielsweise Forderungsausfälle oder neue Wettbewerber, die preislich aggressiv auftreten. Dies kann dazu führen, dass die Rabatte des Unternehmens erhöht werden müssen.

Auch bei der Preisgestaltung kann es vorkommen, dass zu sehr auf die eigenen Kosten geachtet wird. Auch der Nutzen für den Kunden muss herausgearbeitet werden. Gleichzeitig ist aber auch darauf zu achten das Produkt nicht zu günstig anzubieten. Natürlich dürfen Produkte andererseits nicht zu teuer sein. Diese Situation kann unter anderem entstehen, wenn ein Produkt mit zu vielen Funktionalitäten ausgestattet wurde. Vor allem innovations- und technologiegetriebene Unternehmen sind davon betroffen. Die hohe Anzahl an Features führt zu einem Preis, den der Kunde nicht mehr zahlen möchte. Hier kann es sinnvoll sein, das Produkt in seiner Grundausstattung abzuspecken und zusätzliche Features als Extraoption anzubieten.

Ein großes Risiko in der Produktkostenkalkulation ist jedoch eine unstrukturierte Vorgehensweise bzw. eine subjektive Preisfestsetzung.

 

Zeitpunkt und Zweck der Kalkulation

Nachfolgende Abbildung zeigt, welche Kalkulationen zu welchem Zeitpunkt des Produktlebenszyklus in SAP angewendet werden und welche Funktion dafür genutzt wird.

Grundlegend können vier unterschiedliche Kalkulationsverfahren in SAP genutzt werden. Diese werden je nach Phase im Produktlebenszyklus, in dem sich das Produkt befindet, angewendet. Man unterscheidet zwischen folgenden Varianten:

  • Musterkalkulation
  • Materialkalkulation ohne Mengengerüst
  • Materialkalkulation mit Mengengerüst
  • Ad-hoc Kalkulation

Die Musterkalkulation (Überschlägige Kalkulation) wird meist dazu verwendet, um einen ersten groben Richtwertwert für die Kosten festzulegen, auch wenn noch keine genauen Daten vorliegen. Es handelt sich dabei nur um eine grobe Abschätzung der zu erwartenden Kosten. Ein Merkmal der Variante ist, das die einzelnen Komponenten der Kosten manuell festgelegt werden müssen.

Die Materialkalkulation ohne Mengengerüst (Einzelkalkulation) wird zwischen der ersten Produktidee und der Marktreife angewendet und bildet den nächsten Schritt, nach einer vielversprechenden Musterkalkulation. Dabei werden ebenfalls noch keine Daten aus der Produktion mit einbezogen, sondern entweder manuell erfasst oder aus schon vorhanden Stammdaten automatisch abgeleitet.

Bevor eine Materialkalkulation mit Mengengerüst (Erzeugniskalkulation) durchgeführt werden kann, müssen alle wesentlichen Material- und Fertigungsdaten vorliegen. Anhand dieser Stammdaten wird die Kalkulation automatisch durchgeführt Das manuelle Erfassen von Zusätzen ist in dieser Form nicht mehr möglich.

Die Ad-hoc Kalkulation ist eine weitere Möglichkeit schnell eine Kostensimulation durchzuführen, da diese komplett ohne einen Objektbezug durchgeführt werden kann. Sie wird hauptsächlich für eine schnelle und grobe Einschätzung von geplanten Vorhaben eingesetzt.

Bei der Produktkostenkalkulation werden Stammdaten mit einbezogen. Relevante Stammdaten aus der Produktion sind Stücklisten, Arbeitsplätze, Arbeitspläne, Linienpläne und Planungsrezepte. Auch Stammdaten, wie Kostenstellen, Leistungsarten und Geschäftsprozesse aus dem Gemeinkosten-Controlling fließen in die Kalkulationsstruktur mit ein. Die Ergebnisse der Produktkostenkalkulation kann gleichzeitig auch für andere Komponenten in SAP eingesetzt werden. Es ist z.B. möglich, die Ergebnisse auch im Materialstamm als Standardpreis zu übernehmen und anhand dessen eine Materialbewertung durchzuführen.

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