Selbstcheck: Ist Ihr SAP-System bereit für KI-Agenten?
- SAP hat auf der SAP Connect mehr als 20 Joule Assistants und über 200 Joule Agents vorgestellt, bis Jahresende sollen es über 400 Agenten sein.
- Die neuen KI-Funktionen kommen über SAP Cloud ERP. Wer noch SAP ECC betreibt, klärt zuerst die Plattformfrage.
- Zehn Ja-Nein-Fragen zeigen in wenigen Minuten, wo Ihr Unternehmen steht.
Auf der SAP Connect in Las Vegas hat SAP Anfang Oktober 2026 das Konzept des „Autonomous Enterprise“ vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen die Joule Assistants, die operative Aufgaben direkt in Geschäftsprozessen erledigen sollen, und die neue Oberfläche Joule Work, die SAP nach eigenen Angaben jetzt bei Kunden ausrollt. Laut SAP-Chef Christian Klein sind seit der SAP Sapphire im Mai mehr als 20 Joule Assistants und über 200 Joule Agents entstanden, bis Jahresende sollen es mehr als 400 Agenten sein. Für die Planung in der Supply Chain sowie für Fertigung und Logistik hat SAP weitere Agenten für das vierte Quartal 2026 angekündigt.
Für mittelständische Unternehmen ist damit vor allem eine Frage interessant: Sind das eigene SAP-System und die eigene Organisation bereit, solche Agenten sinnvoll einzusetzen? Die folgenden zehn Fragen helfen bei einer ersten Einschätzung. Sie lassen sich in wenigen Minuten beantworten, am besten gemeinsam von IT-Leiter und den Verantwortlichen aus Finanzen, Einkauf oder Logistik.
Zehn Fragen zur KI-Bereitschaft Ihres SAP-Systems
Beantworten Sie jede Frage mit Ja oder Nein. Wenn Sie unsicher sind, werten Sie die Antwort als Nein.
1. Läuft Ihr ERP-System bereits in der Cloud, oder ist der Wechsel beschlossen?
SAP stellt seine neuen KI-Funktionen über die Cloud-Lösungen bereit. Die Basisfunktionen von Joule sind laut SAP in den Standard-Cloud-Abonnements enthalten. Wer noch SAP ECC oder ein klassisches On-Premise-System betreibt, kommt in der Regel erst mit dem Umstieg auf SAP Cloud ERP an diese Funktionen, etwa über RISE with SAP oder GROW with SAP. Für SAP ECC 6.0 mit den Erweiterungspaketen 6 bis 8 endet die reguläre Wartung Ende 2027. Die Plattformfrage steht also ohnehin an.
2. Wissen Sie, welche Prozesse am meisten manuelle Routinearbeit verursachen?
Die Joule Assistants sind auf Fachbereiche zugeschnitten, etwa Finanzen, Einkauf oder Supply Chain. Der Nutzen ist dort am größten, wo heute viele wiederkehrende Klicks, Abstimmungen und Rückfragen anfallen, zum Beispiel bei der Klärung offener Posten, der Bewertung von Lieferanten oder der Umplanung bei Engpässen. Wer diese Stellen konkret benennen kann, hat einen guten Startpunkt.
3. Sind Ihre Stammdaten gepflegt und eindeutig?
Doppelte Lieferanten, veraltete Materialstämme oder unvollständige Kundendaten führen auch einen KI-Agenten in die Irre. SAP-Manager Manoj Swaminathan sagte auf der SAP Connect sinngemäß, keine KI könne ein fehlerhaftes Datenmodell ausgleichen. Prüfen Sie, ob es für Stammdaten klare Verantwortliche und regelmäßige Bereinigungen gibt.
4. Liegen die entscheidungsrelevanten Daten in SAP oder sind sie angebunden?
In vielen Unternehmen verteilen sich wichtige Informationen auf SAP, Excel-Listen, ein separates Lagerverwaltungssystem und die Systeme von Dienstleistern. SAP setzt für den Geschäftskontext seiner Agenten auf den SAP Knowledge Graph und die SAP Business Data Cloud. Was außerhalb liegt und nicht angebunden ist, kann ein Assistent bei seinen Vorschlägen nicht berücksichtigen.
5. Halten Sie sich bei Ihren Kernprozessen weitgehend an den SAP-Standard?
SAP entwickelt seine Assistenten entlang der eigenen Standardprozesse. Viele Modifikationen und Eigenentwicklungen im Kern erschweren die Einschätzung, ob ein Assistent ohne Anpassung zu Ihren Abläufen passt. Ein aufgeräumter Kern („Clean Core“) erleichtert deshalb auch den Einsatz von KI.
6. Ist Ihr Berechtigungskonzept aktuell?
Joule Assistants arbeiten laut SAP mit den vorhandenen Daten, Berechtigungen und Audit-Trails. Über Jahre gewachsene Rollen mit zu weit gefassten Rechten wirken sich damit auch auf die Arbeit der KI aus. Ein Berechtigungskonzept, das zum tatsächlichen Aufgabenzuschnitt passt, ist deshalb eine wichtige Voraussetzung.
7. Haben Sie festgelegt, wie viel ein Agent selbstständig erledigen darf?
Kunden können den Grad der Autonomie laut SAP je Prozess wählen. Bei Prozessen mit hohem Risiko bleibt die Freigabe durch einen Mitarbeiter vorgesehen, Routineaufgaben lassen sich stärker automatisieren. Diese Entscheidung sollte der Fachbereich vorab treffen und nicht erst beim Aktivieren der Funktion.
8. Gibt es für jede KI-Anwendung einen fachlich Verantwortlichen?
Nach SAP-Angaben soll jeder Agent einen benannten Verantwortlichen, eine Risikostufe und eingeschränkte Zugriffsrechte haben. Als zentrales Verzeichnis nennt SAP den SAP AI Agent Hub in SAP LeanIX. Unabhängig vom Werkzeug hilft eine einfache Regel: Für jeden produktiven Agenten ist klar, wer ihn fachlich betreut und wer seine Ergebnisse stichprobenartig prüft.
9. Sind Datenschutzbeauftragter und Betriebsrat eingebunden?
KI-Agenten verarbeiten Daten aus dem Tagesgeschäft und protokollieren ihre Aktivitäten. In Unternehmen mit Betriebsrat ist bei technischen Einrichtungen, die Verhalten oder Leistung von Mitarbeitern überwachen können, das Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG zu beachten. Wer beide Seiten früh beteiligt, vermeidet spätere Verzögerungen.
10. Kennen Sie das Lizenzmodell für die Funktionen, die Sie nutzen möchten?
SAP unterscheidet zwischen den Basisfunktionen von Joule, die in Cloud-Abonnements enthalten sind, und Premium-Funktionen, die über sogenannte AI Units abgerechnet werden. Dazu gehören laut SAP die Joule-Premium-Pakete etwa für Financial Management, Spend Management und Supply Chain Management. AI Units werden jährlich erworben und verfallen nach zwölf Monaten, wenn sie nicht genutzt werden. Ein realistisches Mengengerüst verhindert, dass Budget ungenutzt verfällt oder Funktionen fehlen.
Auswertung
Zählen Sie Ihre Ja-Antworten.
| Ja-Antworten | Einschätzung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| 8 bis 10 | Die Grundlagen sind gelegt. | Pilot in einem klar abgegrenzten Prozess, zum Beispiel im Einkauf oder in der Debitorenbuchhaltung, mit messbaren Zielen wie Bearbeitungszeit oder Anzahl der Rückfragen. |
| 4 bis 7 | Es gibt offene Punkte, meist bei Stammdaten, Berechtigungen und Zuständigkeiten. | Zuerst die offenen Punkte angehen. Diese Arbeit zahlt sich auch ohne KI aus, weil sie Fehler und Rückfragen im Tagesgeschäft verringert. |
| weniger als 4 | Vermutlich steht zuerst die Frage nach der ERP-Plattform an. | Läuft Ihr System noch auf SAP ECC, gehört die KI-Planung in die Migrationsplanung auf SAP Cloud ERP. |
Ein Nein bei den Fragen 1, 3 oder 6 wiegt schwerer als die anderen. Diese Voraussetzungen lassen sich kurzfristig kaum nachholen und sollten früh auf die Agenda.
Sie möchten wissen, welcher Joule Assistant für Ihren Fachbereich zuerst infrage kommt? Die SAP-Berater von HPC in Mannheim und Hamburg unterstützen Sie bei der Bestandsaufnahme und bei der Planung eines ersten Pilotprojekts.